Aussetzung des Wehrdienstes brachte viele Veränderungen

Gesprächsreihe zum Thema Wehrdienst gestartet

FDP diskutierte mit Hauptmann Marco Trebuth die Auswirkungen auf die Bundeswehr

 

In der vergangenen Woche diskutierte die FDP Berchtesgadener Land in ihrer monatlichen Gesprächsrunde die Auswirkungen der Aussetzung des Wehrdienstes auf die Bundeswehr. Als Experten und Referenten begrüßten die Freien Demokraten dabei Hauptmann Marco Trebuth, Jugendoffizier und in dieser Funktion sicherheitspolitischer Referent der Bundeswehr. Gerade angesichts des neuesten Plans von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die Truppe wieder aufzustocken, stieß die Veranstaltung in der Galerie „ART of SYLVA“ in Freilassing auf großes Interesse.

Eingangs legte Hauptmann Trebuth die Ausgangslage im Jahr 2010 dar, also dem letzten Jahr, in dem die Wehrpflicht noch tatsächlich vollzogen wurde. Demnach hatten bis zum Jahreswechsel 2010/2011 insgesamt 8,4 Millionen junge Männer ihren Grundwehrdienst geleistet. Schon alleine durch diese Zahl wurde allen Anwesenden deutlich, welche Bedeutung der Wehrdienst für die Bundeswehr hatte. Allerdings sei die Zahl der Wehrdienstleistenden auch bereits vor der Aussetzung der Wehrpflicht gesunken und zwar im Jahresdurchschnitt von 95.700 Wehrdienstleistenden (GWDL) bei einer Truppenstärke von 304.126 Soldaten im Jahr 2001 auf 32.055 GWDL bei einer Truppenstärke von 245.824 Soldaten im Jahr 2010, so Trebuth.

v.l.: Vorsitzender Alexander Reich, Gastgeberin Sylvia Haigermoser, Hauptmann Marco Trebuth, Kreisrat Armin Nowak, stellv. Vorsitzender Jens Schosnowski

v.l.: Vorsitzender Alexander Reich, Gastgeberin Sylvia Haigermoser, Hauptmann Marco Trebuth, Kreisrat Armin Nowak, stellv. Vorsitzender Jens Schosnowski

Dennoch sei die Aussetzung der Wehrpflicht natürlich der größte Einschnitt gewesen: Durch die Aussetzung der Wehrpflicht und die Einführung eines Freiwilligendienstes sank die Zahl der Wehrdienstleistenden inzwischen auf eine Zahl von durchschnittlich 9.964 Soldatinnen und Soldaten, die freiwilligen Wehrdienst leisten. „Die Aussetzung des Wehrdienstes wurde von der Politik damals im Einklang mit der Truppenreduzierung , im Rahmen der Reform – Neuausrichtung der Bundeswehr – beschlossen und war an die Aufgaben der Bundeswehr angepasst“, machte Hauptmann Trebuth klar. Er gab dennoch zu, dass die selbst gesteckte Zielvorgabe von 12.500 freiwillig Wehrdienstleistenden deutlich verfehlt wird.

Auf den Wegfall der GWDL-Dienstposten habe die Bundeswehr natürlich reagieren müssen, so Trebuth. Aus diesem Grund seien neue Stellen für „Soldaten auf Zeit“ (SaZ) mit Mannschaftsdienstgrad geschaffen worden. In diesem Zusammenhang habe man es den SaZ auch ermöglicht, sich länger zu verpflichten, als es lange Zeit davor der Fall war. Laut Trebuth habe dies durchaus auch Vorteile für die Bundeswehr mit sich gebracht: „Dadurch ist auch die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr gestärkt worden, da die Mannschaftssoldaten nun noch besser ausgebildet sind und man langfristiger planen kann“, erklärte Trebuth.

Der FDP-Kreisvorsitzende Alexander Reich sprach daraufhin auch die „Trendwende Personal“ an, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in ihrem Tagesbefehl vom 10. Mai angekündigt hatte: „Wenn die Truppenstärke langfristig nun wieder um über 14.000 Dienstposten angehoben werden soll, kann die Bundeswehr das ohne Wehrpflichtige überhaupt schaffen?“ Selbstverständlich sei dies eine Herausforderung, antwortete Hauptmann Trebuth, gerade aus diesem Grund müsse sich die Bundeswehr noch besser als Mitbewerber auf dem Arbeitsmarkt positionieren. Da die Aufstockung der Truppe jedoch bis 2023 geplant ist, könne man durchaus optimistisch sein. Eine Wiederbelebung der Wehrpflicht schloss er dabei jedoch de facto aus: „Derzeit ist eine Wiederbelebung der Wehrpflicht jedenfalls ausdrücklich nicht das Ziel des Verteidigungsministeriums.“ Was jedoch in einigen Jahren der politische Wille sei, könne man derzeit natürlich nicht sagen.


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