FDP wählt turnusgemäß Kreisvorstand

Reich, Langgartner und Nowak im Amt bestätigt. Betzler kandidiert nach 20 Jahren als Schriftführerin nicht mehr.

 

Bad Reichenhall – Die Mitglieder der FDP Berchtesgadener Land trafen sich im Bad Reichenhaller Bürgerbräu zu ihrer Kreishauptversammlung, bei der turnusgemäß auch die Vorstandswahl auf der Tagesordnung stand. Dabei wurde Alexander Reich aus Bad Reichenhall als Kreisvorsitzender ebenso mit nur einer Gegenstimme im Amt bestätigt, wie sein Stellvertreter Christoph Langgartner, Gemeinderat aus Bayerisch Gmain. Den zweiten Stellvertreterposten bekleidet in den kommenden zwei Jahren der Landtagskandidat Wilhelm Gschossmann aus der Ramsau. Einstimmig als Schatzmeister im Amt bestätigt wurde der Bischofswiesener Kreisrat Armin Nowak. Schriftführer ist Tom Schubert-Gerogii aus Bayerisch Gmain, Beisitzer der JuLis-Kreisvorsitzende Franz Farthofer aus Marktschellenberg.

Zu Beginn der diesjährigen Kreishauptversammlung ging der Kreisvorsitzende Alexander Reich auf die Mitgliederentwicklung des Kreisverbandes seit Amtsantritt ein: „In den vergangenen zwei Jahren ist die Mitgliederzahl unseres Kreisverbandes um satte 28% gestiegen. Gerade angesichts dessen, dass andere Parteien oft über Nachwuchsprobleme und die Politikverdrossenheit der jungen Generationen klagen, freut es mich besonders, dass das Durchschnittsalter unserer Neumitglieder bei 33,1 Jahren liegt. Das jüngste Neumitglied war bei seinem Eintritt 21 Jahre alt, das älteste 61“, gab Reich einen Überblick.

Im Anschluss warf er einen Blick zurück auf die vergangenen beiden Jahre seiner Amtszeit und ordnete die Arbeit des FDP-Kreisverbandes in diese Großwetterlage ein: In den vergangenen 776 Tagen seit seiner Wahl zum Kreisvorsitzenden sei viel passiert, so Reich, der dabei u.a. auf den Rechtsstreit des deutschen Satirikers Jan Böhmermann mit dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan, den Brexit, den Putschversuch in der Türkei, das negative Votum der Niederländer zum EU-Assoziierungsabkommen mit der Ukraine, Terroranschläge in Deutschland und natürlich auf die Bundestagswahl verwies. „Einiges davon hätten wir lieber nicht erlebt“, so Reich. „Aber wir wären nicht die Freien Demokraten, wenn wir nicht auch auf das Positive blicken würden, um zwar mit Realismus, aber auch Optimismus in die Zukunft zu sehen. Denn Angst war noch nie ein guter Ratgeber.“

Die Themenschwerpunkte der Freien Demokraten im Landkreis waren in den vergangenen zwei Jahren vor allem der Kampf für eine deutliche Verbesserung der Situation der Bundespolizisten in Bad Reichenhall bzw. Freilassing, der Einsatz gegen die Einführung der Biotonne und die damit verbundenen Gebührenerhöhungen für die Bürger, das Bemühen um den Erhalt des DB-Reisezentrums in Bad Reichenhall sowie die Forderung des Aussetzens der Straßenausbaubeitragssatzung sowie die Betriebsbesichtigungen mit den Bürgern im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Heimische Wirtschaft entdecken“.

In diesem Zusammenhang lobte Reich ausdrücklich auch die Arbeit der Ortsverbände und der kommunalen Mandatsträger, die unter anderem den Hochwasserschutz, die Mietpreisbremse sowie ein Ladenschlussgesetz thematisch behandelt hatten. „Unser Kreisrat Armin Nowak, unser Bad Reichenhaller Stadtrat Gerhard Schröter und unser Bayerisch Gmainer Gemeinderat Christoph Langgartner leisten großartige Arbeit und sind eine unverzichtbare Säule für uns! Ihr seid mit Eurer Politik so nah am Bürger, wie man es nur sein kann und legt damit auch die Grundsteine für erfolgreiche Wahlergebnisse“, so Reich, der damit zum alles bestimmenden Thema des vergangenen Jahres zu sprechen kam: Die Bundestagswahl 2017.

Kreisvorsitzender Alexander Reich bei seinem Rechenschaftsbericht.

Er freue sich, so Reich, als Kandidat im heimischen Wahlkreis, der sich aus den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land zusammensetzt, mit 9,16% bzw. 14.614 Stimmen ein gutes Ergebnis erzielt zu haben, das zudem deutlich über der Zielvorgabe des Bundesverbandes lag. „Damit sind wir in Schlagdistanz zu unserem Rekordergebnis von 2009“, so Reich weiter. Dabei dankte er allen Mitgliedern und Beteiligten für ihren unermüdlichen Einsatz, ohne den dieses Ergebnis nicht zustande gekommen wäre.

Für den Kreisverband noch wichtiger sei aber natürlich das Ergebnis im eigenen Landkreis, so Reich: „Im Berchtesgadener Land konnten wir 5.137 Menschen mit unserer Politik überzeugen, was einem Ergebnis von 9,14% entspricht. Im Landkreis liegen wir damit knapp einen Prozentpunkt vor den Grünen und etwas mehr als zwei Prozentpunkte hinter der SPD“, ordnete Reich das Ergebnis ein. Die Kommunen mit den drei besten Ergebnissen für die Freien Demokraten im Landkreis (sowie im gesamten Wahlkreis!) seien dabei Bayerisch Gmain (13,94%), Bad Reichenhall (11,13%) und Piding (10.21%) gewesen, so Reich.

„Das Bundestagswahlergebnis ist eine gute Ausgangsbasis für die anstehenden Landtags- und Bezirkstagswahlen im Oktober. Es ist Motivation und Verpflichtung zugleich: Motivation, an unsere starke Arbeit anzuknüpfen und sie weiter auszubauen und Verpflichtung, nicht nachzulassen und auch nach den Wahlen für das zu stehen, was man den Bürgerinnen und Bürgern vor den Wahlen verspricht“, machte Reich klar, der in diesem Zusammenhang auch auf das Platzen der „Jamaika-Sondierungen“ zu sprechen kam.

„Ja, einige Menschen sind enttäuscht, dass Jamaika nicht zustande gekommen ist“, war sich Reich bewusst. „Als vor vier Jahren die schwarz-grünen Sondierungen platzten, gab es keinen Aufschrei“, gab Reich zu bedenken. Diesmal sei von der Union jedoch von vornherein eine solch hohe Erwartungshaltung in der Bevölkerung geschürt worden, dass man den Eindruck gewinnen konnte, es ginge bei den Gesprächen schon um den Koalitionsvertrag und alles sei in trockenen Tüchern, so Reich weiter. Diese Grundhaltung konnte man bei den Gesprächen auch deutlich erkennen. „Die FDP hat bewiesen, dass sie zu ihrem Wort steht: Eine Regierungsbeteiligung wird es mit uns nur dann geben, wenn diese Regierung auch etwas gestalten kann und will und nicht nur den Status Quo verwaltet. Dass manche das Ende der Sondierungsgespräche nun mit einem Ego-Trip von Christian Lindner begründen entbehrt nicht eines gewissen Humors: Ein Ego-Trip wäre doch damit verbunden gewesen, dass man Inhalte für ein Ministeramt aufgibt und nicht, dass man ein Ministeramt für Inhalte aufgibt“, so Reich abschließend.

Ulrike Betzler wird vom Kreisvorsitzenden Alexander Reich für 46 Jahre Parteimitgliedschaft und 20 Jahre als Schriftführerin im Kreisverband geehrt.

Bevor im Anschluss die Vorstandswahlen anstanden, dankte der Kreisvorsitzende Ulrike Betzler aus Bayerisch Gmain, die nach 20 Jahren als Schriftführerin nicht mehr für eine Funktion im Kreisvorstand kandidierte, für ihr langjähriges Engagement in Partei und Kreisverband und überreichte ihr im Namen des Kreisverbandes einen Blumenstrauß: „Sie sind 1972 in die FDP eingetreten und sind mit den Freien Demokraten durch viele Höhen und viele Tiefen gegangen. Dabei blieben Sie Ihrer Überzeugung immer treu und haben sich stets engagiert. In den 46 Jahren Ihrer Parteimitgliedschaft waren Sie 20 Jahre lang Schriftführerin des Kreisverbandes Berchtesgadener Land. Für dieses ganz außergewöhnliche Engagement gilt Ihnen unser aller aufrichtiger Dank!“ In diesem Zusammenhang ehrte Alexander Reich in Abwesenheit auch Stefan Glas aus Bad Reichenhall, dessen Parteimitgliedschaft sich auf den Tag genau zum zehnten Mal jährte.

Nachdem der bisherige Vorstand entlastet wurde, wählten die Mitglieder einen neuen Kreisvorstand für die kommenden zwei Jahre. Dabei wurden der Kreisvorsitzende Alexander Reich aus Bad Reichenhall, sein Stellvertreter Christoph Langgartner aus Bayerisch Gmain (beide mit nur einer Gegenstimme) sowie Schatzmeister Armin Nowak aus Bischofswiesen (einstimmig) im Amt bestätigt. Den zweiten Stellvertreterposten bekleidet Landtagskandidat Wilhelm Gschossmann aus der Ramsau. Neuer Schriftführer ist Tom Schubert-Georgii aus Bayerisch Gmain, neuer Beisitzer der JuLis-Kreisvorsitzende Franz Farthofer aus Marktschellenberg.


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